
Stell Dir vor, Du wanderst durch ein enges Tal mit einem glasklaren Bach, vorbei an einer Höhle, die Du mit Boot besichtigen kannst bis zu einem der schönsten, barocken Kirchen in Baden-Württemberg – ganz klar einer meiner absoluten Favoriten auf der Schwäbischen Alb. Auch wenn es keine klassische Rundtour ist: Der Weg ist jeden Meter wert und mit ein bisschen Planung wird daraus ein perfekter Tagestrip. Am einfachsten ist es, wenn Du ein Auto nach Zwiefalten stellen kannst. Busse zurück zum Startpunkt fahren nicht sehr oft, Alternative wäre ein Taxi.
Du kannst natürlich auch zwei Wanderungen daraus machen und einmal die Tour „hochgehschätzt“ und das andere Mal die Tour „hochgehpilgert“– beides sind Rundtouren, die eine von Hayingen aus, die andere von Zwiefalten und beide führen an der Wimsener Höhle vorbei. Aber mein Favorit ist einfach die Tour durch das Glastal, durch das sich der meist glasklare Hasenbach schlängelt und ab der Wimsener Höhle entlang der Zwiefalter Ach.
Start am Wanderparkplatz Hayinger Brücke
Wir starten die Wanderung immer am Wanderparkplatz „Hayinger Brücke„, da diese von uns aus am besten zu erreichen ist. Die ersten Kilometer geht der Weg durch den Wald, bis man dann auf den Hasenbach stößt, der sich immer wieder in kleinen Becken sammelt. Und das Wasser ist einfach so unfassbar klar (und eiskalt!), der grüne Wald, die schroffen Felsen – einfach traumhaft!






Schloss Ehrenfels & Wimsener Höhle
Kurz vor der Wimsener Höhle kommt man an Schloss Ehrenfels vorbei, das sich in Privatbesitz befindet und nicht besichtigt werden kann. Es lässt sich aber für Hochzeiten und andere Festlichkeiten mieten – ein märchenhafter Rahmen.
Dann folgt das absolute Herzstück der Tour: die Wimsener Höhle. Sie ist die einzige mit einem Boot befahrbare Schauhöhle in Deutschland und gilt als die tiefste erforschte Unterwasserhöhle des Landes (ca. 60 Meter Tauchtiefe). Die Bootsfahrt in das dunkle Innere der Höhle ist ein wirklich mystisches Erlebnis – still, kühl und irgendwie unwirklich. Die Wartezeiten können lang sein, also entweder viel Geduld mitbringen oder vorab online Tickets kaufen.
Hier triffst Du jetzt auch auf die Zwiefalter Ach, die kurz vor der Gaststätte „Friedrichshöhle“ einige flache Sinterterrassen bildet- du kannst an heißen Sommertagen Deine Füße ganz wunderbar erfrischen. Und danach kühlst Du Dich von innen mit einem kühlen Getränk ab 🙂





Weiter durch die Ach-Aue nach Gossenzugen
Nach der Pause in Wimsen geht es weiter entlang der Ach, erst auf einem schmalen Waldweg, später über freies Feld. Bald erreichst du Gossenzugen, einen kleinen Teilort von Zwiefalten. Früher wohnten hier viele Bedienstete des Klosters Zwiefalten, und im 18./19. Jahrhundert gab es eine Papierfabrik von großer Bedeutung für den Ort. Spätestens ab hier hast du immer wieder einen Blick auf die beiden Zwiebeltürme des Münsters in Zwiefalten – das Ziel ist also schon in Sichtweite!

Ankommen in Zwiefalten – Einkehr & Genuss
Auf den letzten Metern Richtung Zwiefalten wächst je nach Wetter die Vorfreude auf ein kühl gezapftes Bier der Zwiefalter Klosterbrauerei. Hier hast du zwei Möglichkeiten zur Einkehr: Im „Bierhimmel“ sitzt man im Sommer sehr idyllisch im Biergarten, an dem auch die Ach vorbeifließt. Du kannst hier außerdem Biere der Brauerei und Produkte von lokalen Erzeugern einkaufen – wer das Auto in Zwiefalten geparkt hat, kann also auch etwas großzügiger zugreifen. 😉
Eine weitere Möglichkeit ist natürlich auch das „Brauhaus,“ das nur ein paar Meter vom Bierhimmel entfernt ist. Hier kannst Du leckere regionale Gerichte essen und Dich durch die verschiedenen Tankbiere probieren!
Geschichte – Kloster, Brauerei und eine dunkle Seite
In Zwiefalten bestand von 1089 bis 1802 ein Benediktinerkloster. Die Mönche bauten gerne ans Wasser – und wo Wasser floss, brauten die Benediktiner auch Bier. So wurde die Zwiefalter Klosterbrauerei im Jahr 1521 gegründet.
Die Geschichte des Ortes hat aber auch eine dunkle Seite: Als das Kloster aufgegeben wurde, richtete man 1812 eine Heil- und Pflegeanstalt ein. In der Zeit des Nationalsozialismus diente sie als Sammelstelle für Menschen mit Behinderungen, von denen Hunderte nach Grafeneck gebracht und dort ermordet wurden. In Zwiefalten selbst starben damals 1.500 Menschen. Seit 1996 ist es ein Zentrum für Psychiatrie.
Das Zwiefalter Münster – nicht verpassen!
Was ihr auf keinen Fall verpassen dürft, ist der Besuch des Zwiefalter Münsters. Diese spätbarocke Kirche ist riesig und so überwältigend üppig ausgestattet, dass einem beim Eintreten kurz der Atem stockt. Nicht umsonst gilt sie als der bedeutendste Bau des süddeutschen Spätbarocks und Rokokos.
Der Name Zwiefalten
Übrigens stammt der Name Zwiefalten aus dem Mittelhochdeutschen: „zwivalt“ bedeutete so viel wie „zweifach“ oder „doppelt“ – ein Hinweis auf die Lage des Ortes am Zusammenfluss der Kessel-Ach und der Ach aus dem Glastal. Eben zweier Bäche.



Das Glastal ist für mich ein echtes Stück Heimat-Magie. Warst du schon mal dort oder steht die Tour jetzt neu auf deiner Bucket List? Schreibe mir gerne in die Kommentare, wie Dir die Tour gefallen hat!

