Radtour Schwäbische Alb: Vom verlassenen Dorf Gruorn durch die Trailfinger Schlucht ins Ermstal

Eine unserer absoluten Lieblingstouren führt durch die wildromantische Trailfinger Schlucht. Gestern haben wir die Tour mal wieder mit dem Besuch von Gruorn verbunden- ein beliebtes Ziel für Radler und Wanderer inmitten des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen- das Herz des Biosphärengebietes Schwäbische Alb

Friedhof Gruorn

Was ist das besondere an Gruorn?

Es war früher ein kleines Dorf auf der Schwäbischen Alb in der Nähe von Trailfingen mit ca. 700 Einwohnern. Leider wurden 1937 alle Bewohner zwangsumgesiedelt, weil der damals schon bestehende Truppenübungsplatz erweitert wurde und Gruorn in diesem Gebiet lag. Die Bewohner bekamen zwei Jahre Zeit, sich eine neue Heimat zu suchen. Für sie war es eine Katastrophe und bedeutete, die Häuser und Höfe von vielen Generationen der Familie aufzugeben und irgendwo neu anzufangen. Das Dorf wurde dann in die Truppenübungen einbezogen und nach und nach bei Militärübungen weitgehend zerstört.

Nur die alte Stephanus-Kirche und der Friedhof sowie das alte Schulhaus konnten erhalten werden und wurden liebevoll aus Trümmern wieder aufgebaut. Seit 20 Jahren ist der Truppenübungsplatz nun mit 6700 ha fast unberührte Natur das Herzstück des Biosphärengebietes. Aber immer noch ist das Gebiet voll von alter Munition, deshalb verlasse nie die markierten Wege!!

Höhlenmenschen und Freiluft-Kunst

Aber von Anfang an: Wir starten unsere Tour von Eningen aus und strampeln über das Arbachtal hoch zum „Oberen Lindenhof“ und rollen weiter nach Würtingen und Bleichstetten. Da ich bei Komoot zufällig die Klopfjörgleshütte, die eigentlich eine Höhle ist, bei Upfingen entdeckt habe, machen wir hier noch einen Abstecher hin. Es wurden wohl hier Spuren aus der Altsteinzeit und dem Mittelalter gefunden, aber die Feuerreste, die wir entdeckt haben, stammen wohl eher vom Grillabend der örtlichen Jugend.
Vorbei an Lonsingen, durch weite Felder und vorbei an Mais und abgeernteten Getreidefeldern geht es Richtung Dottingen.  Und nun wartet eine Überraschung auf uns! Aus der Ferne sehen wir schon an einem früheren Skilift große, farbige „Plakate“ und so sind wir neugierig und schauen, was es damit auf sich hat. Tatsächlich ist es die „Joffel 26“, eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst unter freiem Himmel. Großformatige Bilder, die wetterfest in die Landschaft integriert sind- eine kurze Kulturpause, die uns begeistert.

Auf zur Kuchenpause

Aber weiter geht es, denn wir haben noch einige Kilometer vor uns! Vor uns liegt ein längerer Anstieg bis zum „Kleinen Föhrenberg“, der mit über 800 m Höhe oberhalb von Rietheim einen gigantischen Blick über die Münsinger Alb bietet. Jedesmal ist es schön, hier zu stehen und den Blick umherschweifen zu lassen.
Dann geht es erst mal rasant abwärts, wir durchqueren Rietheim und fahren über einen kleinen Schlenker nach Trailfingen. Von dort sind es noch wenige Kilometer zum verlassenen Dorf Gruorn. Hier machen wir wie viele Radler und ein paar Wanderer eine kleine Pause und ich genehmige mir einen leckeren Eierlikörkuchen. Am Wochenende ist das alte Schulhaus geöffnet und bietet neben hausgebackenem Kuchen auch noch andere Leckereien. Geschichtsinteressierte können sich im 1.Stock des Hauses auch ein kleines Museum anschauen.

Abfahrt durch die Schlucht

Nach der Pause geht es zurück nach Trailfingen, denn ein weiterer Höhepunkt der Tour liegt vor uns- nach fast 800 hm  dürfen wir  erst mal locker den Berg hinunter bis Bad Urach rollen. Zuerst durch die wildromantische Trailfinger Schlucht, vorbei an der Ermsquelle bis Seeburg und dann durch das malerische Seeburger Tal bis Bad Urach. Der Weg geht meistens durch den kühlen Wald, immer wieder erheben sich markante Felsen im Tal und hoch oben liegt die Ruine Hohenwittlingen. Bei einer  kleinen Fahrt durch die wunderschöne Uracher Innenstadt mit ihren alten Fachwerkhäusern genehmigen wir uns jetzt noch ein leckeres Eis der Eisdiele „Gelati“, das wir „kühlstens“ empfehlen können. Nach einem enttäuschenden Eisdielen-Reinfall neulich sind wir dieses Mal absolut begeistert.

Zurück durchs Ermstal

Über den Ermstalradweg geht es dann durch Dettingen und vorbei an den Weinbergen von Neuhausen und Metzingen wieder über den offiziellen Radweg von Metzingen nach Eningen durch den „Metzinger Wald“, wie wir Eninger diesen Wald nennen. Nennen die Metzinger ihren Wald eigentlich auch so?

Am Ende stehen rund 64 km (je nachdem, ob Polar, Garmin, der Bosch-Bordcomputer oder gar Komoot recht hat) und stramme 1.120 Höhenmeter auf der Uhr. Nach knapp 6 Stunden sind wir müde, aber super glücklich wieder zu Hause. Eine Tour, die einfach alles hat!

Tipps und Infos:

Video zur Tour:

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