
Ein Rundgang in Eningen unter Achalm auf der Spur des berühmten Holzschnitt-Künstlers HAP Grieshaber- an einem wunderschönen Frühlingstag habe ich das endlich mal umgesetzt. Als Eningerin bin ich zwar schon oft an einzelnen Stationen vorbeigekommen, doch den Weg einmal ganz bewusst als Ganzes zu gehen, das war das erste Mal. Auch mit dem Künstler habe ich mich nie wirklich auseinandergesetzt, auch wenn er in Eningen natürlich sehr bekannt ist. Und es hat sich gelohnt!
Inhaltsverzeichnis
Wer war HAP Grieshaber?
Helmut Andreas Paul Grieshaber, kurz HAP ist 1909 in Rot an der Rot geboren. Er verbrachte er den größten Teil seines Lebens am Fuß der Achalm bei Reutlingen – bodenständig, eigenwillig und voller Energie. Sein Ding? Der große, kraftvolle Holzschnitt. Was andere als altmodisches Druckhandwerk betrachteten, machte er zum modernen Kunstmedium – bunt, monumental, ausdrucksstark. Und er war nicht nur Künstler, sondern auch Mensch mit Haltung: Er setzte sich lautstark für den Umweltschutz ein, demonstrierte gegen Atomkraftwerke und unterstützte Freiheitsbewegungen weltweit. HAP Grieshaber starb 1981 auf seiner Achalm– aber seine Werke hängen bis heute in Museen, Kirchen und öffentlichen Gebäuden und haben nichts von ihrer Wirkung verloren.
Wo lebte er?
Er lebte von 1946 bis zu seinem Tod 1981 an der Achalm. Aus einem kleinen Gartenhaus wurden mit der Zeit die „Vereinigten Hüttenwerke“ . Es kamen immer wieder Anbauten dazu, meist sehr provisorisch. Man könnte es charmant-chaotisch nennen. Mit ihm lebten seine zweite Frau Riccarda und seine zwei Kinder auf der Achalm, zusammen mit Eseln, Schafen, einem Pfau, einem Hängebauchschwein, Hunden und einem kleinen, aggressiven Äffchen. Hier gewinnst Du einen kleinen Eindruck von ihm, seiner Kunst und seinem Anwesen.
Was waren seine Lieblingsmotive?
Natur, Mensch und Liebe- davon handeln seine Werke. Immer wiederkehrend ist die Figur des Pan – der griechische Hirtengott, den Grieshaber als sein persönliches Symbol wählte und in über 20 verschiedenen Werken darstellte, auch auf dem Weg ist er präsent vor der HAP Grieshaber-Halle und als Wegweiser für den Weg. Genauso begegnet man Paaren, Engeln, dem mystischen Feuervogel und Motiven rund um die geliebte Achalm – seine Heimat, sein Refugium. Daneben fanden auch große Themen wie Frieden, Gerechtigkeit und der Ruf nach einer besseren Welt ihren Weg in seinen Bildern- wie zum Beispiel „Stop dem Walfang“ oder ein Plakat zum „Recht auf Arbeit zum 1. Mai 1978“



Viele seiner Werke bilden aber auch Figuren der griechischen Mythologie ab. Auf dem Eninger Weg finden sich hier z.B. die Epheben an der Schillerhöhe oder das Mosaik mit Neptun vor seinem Haus.


Was passierte mit seinem Wohnhaus?
Das Anwesen wurde 2016 von den Besitzern des Achalmhotels erworben. Es gab Pläne für Ateliers und Kreativräume, was sehr vielversprechend klang, doch die Umsetzung scheint an der komplexen Bausubstanz oder anderen Problemen zu scheitern. Dies ist der aktuellste Stand der Dinge


Der Weg- Highlights und Stationen
Bei strahlendem Sonnenschein, Vogelgezwitscher und überall blühenden Bäumen und Sträuchern begann ich bei der „HAP Grieshaber-Halle“, unserer Festhalle, den Rundgang. Insgesamt sind 14 Repliken von Grieshaber zu sehen, ein Teil davon im Wohngebiet rund um die Grieshaber-Halle, aber die meisten an den Hängen der Achalm in der Natur. Den besten Blick auf Eningen, die Alb und die Umgebung hat man vom Kreuzbuckel aus.



Am schönsten finde ich persönlich die Epheben, wie im altgriechischen Abbildungen von Jünglingen genannt wurden. Diese wurden wunderschön unter hohen Bäumen auf der Schillerhöhe aufgestellt. Auch sehr beeindruckend ist das Mosaik von „Poseidon und Amphiditre“, das im Original 4,5 x 4,5 m groß ist und heute in einer Schule in Reutlingen zu sehen ist. Aber auch seine anderen Werke sind sehr eindrucksvoll und fügen sich wunderbar in die Umgebung ein.


Wer schon mal da ist, Zeit und Lust hat, kann natürlich auch noch bis zum Achalm-Turm hochwandern und hat einen wunderbaren Ausblick auf die „Blaue Mauer“-den Albtrauf-, Reutlingen, Metzingen und Umgebung bis nach Stuttgart! Einfach an der „Walfang“ Replik nach links abbiegen und unterwegs am Achalm Hotel bei Kaffee und Kuchen oder einem erfrischenden Getränk eine kleine Pause einlegen.
Infos zum Weg
Start und Ende des Weges sind die HAP Grieshaber-Halle in Eningen. Hier finden sich genug Parkplätze und auch eine Infotafel mit dem Verlauf des Weges sowie Flyern. Der Weg ist ca. 5 km lang und bis auf eine steilere Passage am Wohnhaus des Künstlers vorbei sehr einfach zu gehen. Der Weg ist recht gut ausgeschildert mit kleinen roten Aufklebern oder Schildern, die den „Roten Pan“ zeigen (s.o.). Was den Weg besonders interessant macht, sind die QR-Codes an jeder Replik, über die man einen Audio-Guide über das Werk und den Künstler hören kann.
Jeden ersten Sonntag im Monat ist in der HAP Grieshaber-Halle eine Ausstellung von weiteren Werken des Künstlers und seiner Frau zu sehen, unter anderem ein 42 m langes Wandfries.

Mein Fazit
Der Weg hat sich sehr gelohnt: Ein interessanter und eigenwilliger Künstler, die meisten seiner Werke in wunderschöner Umgebung präsentiert- hier hat der „Förderverein Eninger Kunstwerke e.V.“ sich sehr viel Mühe gemacht, wichtige Stationen seines Schaffens (Auch in der HAP Grieshaber-Halle kann man seine Kunst bewundern) mit dem Entstehungsort seiner Werke zu verbinden. Der Audioguide ist eine tolle Ergänzung, noch tiefer in sein Leben und Schaffen einzutauchen!
Bist Du den Weg auch schon gegangen oder kannst Du ähnliche Wege empfehlen?
Weitere Infos findest du hier
- Infos zu HAP Grieshaber auf der Seite von Eningen unter Achalm
- Verein Eninger Kunstwerke e.V.
- Artikel aus dem Reutlinger Generalanzeiger „Grieshabers Paradies an der Achalm zerfällt„
