
Vier Tage Zeit, fünf Flüsse vor uns (besser gesagt neben uns), zwei E-Mountainbikes und genau vier Satteltaschen– mehr nicht. Mal ein kleines Abenteuer starten, und raus aus der Komfortzone, das war die Idee! Minimalistisch unterwegs – und das bei uns, die sonst lieber „für alle Fälle“ packen. Diesmal war der Platz begrenzt – und genau das machte den Reiz aus.
Inhaltsverzeichnis
- Tag 0 in Nürnberg: zwischen Fachwerk und Stadtmauer
- Tag 1: Am Kanal entlang – geradeaus, geradeaus, geradeaus
- Tag 2: Tatzelwurm, Spaghettieis und Regensburg im Abendlicht
- Tag 3: Oberpfalz‑Chillen – von Regensburg nach Amberg
- Tag 4: Regenjacken-Premiere und Endspurt nach Nürnberg
- Fazit: Würden wir es wieder tun?
Für den Anfang sollte es eine eher gemütliche Tour werden, wir wollten es ja erst mal testen, ob uns diese Art des Reisens überhaupt liegt. Auf der Reisemesse CMT in Stuttgart stolperten wir dann über den 5-Flüsse-Radweg, eine rund 300 km lange Rundtour von Nürnberg durchs Altmühltal nach Regensburg und über Amberg zurück. Perfekte Länge, wenig Steigung, viel Landschaft – und angeblich immer hervorragend beschildert. Nürnberg und Regensburg wollten wir ohnehin schon länger genauer anschauen. Also stand der Startpunkt fest. Eine Übernachtung in Regensburg war gesetzt, eine Zwischenstation schnell geplant. Weil man im Mai nie weiß, ob einen Sonnenschein oder Dauerregen erwartet, buchten wir die Hotels flexibel unterwegs.

Tag 0 in Nürnberg: zwischen Fachwerk und Stadtmauer
An einem Sonntagmorgen Mitte Mai rollten wir also entspannt nach Nürnberg, staufrei und mit ausreichend Zeit für einen gemütlichen Stadtbummel. Unsere Räder konnten wir im Hotel am Stadtrand unterstellen, das Auto parkten wir in der Nähe der Altstadt. Dann ging es zu Fuß weiter.
Über mehrere Pegnitz-Brücken spazierten wir am Henkershaus vorbei in die historische Altstadt. Wo früher der Henker wohnte, posieren Touristen heute für Selfies – so ändern sich die Zeiten. Durch die Weißgerbergasse mit ihren farbenfrohen Fachwerkhäusern stiegen wir hinauf zur Kaiserburg und ließen den Blick über die Dächer von Nürnberg schweifen.
Und natürlich: Wenn man schon in Nürnberg ist, dürfen die Original Nürnberger Rostbratwürstchen nicht fehlen. Im Bratwursthäusle werden sie seit 1312 über Buchenholz gegrillt – so sagt man. Mit Blick auf Rathaus und Sebalduskirche schmeckten sie jedenfalls ausgezeichnet. Weiter ging es zum „Schönen Brunnen“, der wie eine gotische Kirchturmspitze wirkt und seit 1396 auf dem Hauptmarkt steht. Im Gitter steckt ein goldener Ring – wer ihn dreht, darf sich etwas wünschen. Wir haben das selbstverständlich sehr ernst genommen. Ein kurzer Abstecher in den Handwerkerhof rundete den Nachmittag ab, bevor wir entlang der Stadtmauer und durch die „Straße der Menschenrechte“ zurück zum Auto schlenderten.
Ein vielversprechender Auftakt.






Tag 1: Am Kanal entlang – geradeaus, geradeaus, geradeaus
Am nächsten Morgen fuhren wir nach Wendelstein im Süden Nürnbergs. Dort soll man mehrere Tage kostenlos parken können – tatsächlich ergatterten wir direkt vor dem Rathaus einen Platz und hofften, dass die Information auch wirklich stimmte.
Satteltaschen ans Rad, Navi montiert, Sonnencreme aufgetragen – los ging’s. Nach wenigen Kilometern erreichten wir dann auch recht schnell an den Ludwig-Donau-Main-Kanal. Der Kanal, im 19. Jahrhundert mühsam ausgehoben, war damals die große Verkehrshoffnung – bis die Eisenbahn kam und ihm den Rang ablief. Heute ist er ein Paradies für Radfahrer: flach, idyllisch, kerzengerade. Und zwar sehr kerzengerade. Die ersten Kilometer waren traumhaft, die nächsten meditativer und irgendwann hatten wir das Gefühl, Komoot könnte eigentlich Feierabend machen, die Route bestand ohnehin nur aus „geradeaus“.
Die Landschaft war trotzdem schön: Kleine Brücken, malerische Schleusen und wunderschöne Alleen. Kurz vor unserem ersten Etappenziel Beilngries wurde es endlich abwechslungsreicher – Berching mit Stadtmauer und Türmen, danach Beilngries selbst mit seinem hübschen Zentrum. Nach einem Tag auf Schotterwegen waren wir und unsere Räder mit einer gleichmäßigen Staubpatina überzogen, die man schnell schon als natürlicher Sonnenschutz durchgehen ließ. Notiz an uns: Beim nächsten Mal kommt auf jeden Fall ein Putzlappen mit!
Unser Bett stand im Hotel Fuchsbräu, charmantes Haus mit sehr gutem Frühstück. Wir konnten die Räder in einer extra Garage sicher abstellen und auch die Akkus dort laden, ohne sie ins Zimmer zu schleppen. Super Service! Zum Abendessen zogen wir in den Braugasthof Schattenhofer um. Schweinsbraten mit Sauerkraut und Kartoffelknödel – ab diesem Moment war klar: Unsere Etappen würden ab sofort nicht mehr nur in Kilometern, sondern auch in Kalorien gemessen.
Tour Nürnberg/Wendelstein-Beilngries: 66 km, 358 hm, 3:45 h mit kurzer Pause






Tag 2: Tatzelwurm, Spaghettieis und Regensburg im Abendlicht
Nach einem ausgedehnten Frühstück (man weiß ja nie, wann der nächste Knödel kommt) starteten wir gegen halb zehn Richtung Regensburg. Eigentlich wollten wir ab Riedenburg zum Kloster Weltenburg und mit dem Schiff durch den Donaudurchbruch fahren . Die Donau hatte aber spontan beschlossen, zu wenig Wasser zu führen und wir sparten uns dann auch den Weg zum Kloster Weltenburg, was sehr schade war. Das nächste Mal 😉
Als Trost bekamen wir Burg Prunn, malerisch über dem Tal thronend, und den „Tatzelwurm“ – eine geschwungene Holzbrücke über den Kanal. Beim Hinüberradeln fühlten wir uns kurz wie auf einer sanften Holzachterbahn für Erwachsene. Ohne Looping, dafür mit Panorama.
In Kelheim beobachteten wir ein Schiff in der Schleuse, bevor wir den kurzen, aber knackigen Anstieg zur Befreiungshalle in Angriff nahmen. Oben wartete ein großartiger Blick über Stadt und Donau – und die Erkenntnis, dass unsere E-Bikes jeden Höhenmeter ein bisschen entspannter erscheinen lassen.




Nach rund 50 km belohnten wir uns dann mit einem großen Spaghettieis in der Kelheimer Altstadt, die auch sehr schön war. Und wir hatten einfach ein Mega-Glück mit dem Wetter. Danach starteten wir frisch motiviert weiter nach Regensburg, das uns bei strahlendem Sonnenschein empfing.
Unser Hotel „Münchner Hof“ lag mitten in der Altstadt in einem historischen Gebäude. Das Zimmer war zwar eher „gemütlich kompakt“, aber die Lage schlug jeder Quadratmeter-Debatte. Die Räder parkten in der Garage im Innenhof inklusive einem eigenen Stromanschluss – man gönnt seinen E-Bikes ja sonst nichts. Ein wirklich sehr schönes Gebäude mit besonderen Gemälden an den Wänden.
Nach der Dusche ging es direkt wieder los: Ein erstes Bier im Innenhof des Bischofshofs, dann an der Donau entlang zur Steinernen Brücke, vorbei am Goliathhaus und am Goldenen Turm. Regensburg fühlte sich an wie ein lebendiges Geschichtsbuch mit italienischem Flair. Enge Gässchen, hohe Häuser und laue Sommerluft. Überall saßen Menschen in Biergärten und Cafés, Studenten trafen sich auf der Brücke zum Umtrunk. Hach, die Stadt hat uns einfach begeistert.
Zum Abendessen gingen wieder über die Steinerne Brücke -die älteste erhaltene Brücke Deutschlands und fast 800 Jahre lang die einzige Brücke in Regensburg und Umgebung zur zuverlässigen Donauüberquerung. Ziel war die Spitalbrauerei, der ältesten Brauerei Regensburgs. Der Blick auf die Regensburger Skyline war herrlich und der Krustenbraten und die Schweinshaxe sowie natürlich das leckere Bier überzeugten uns – sagen wir so: Unser Kaloriendefizit war spätestens hier kein Thema mehr.
Tour Beilngries-Regensburg: 90 km , 268 hm, 4:45 mit Pausen










Tag 3: Oberpfalz‑Chillen – von Regensburg nach Amberg
Der dritte Tag war unsere „Durchatmen-Etappe“. Wir verließen Regensburg, rollten durch Dörfer, Felder und kleine Städte und merkten schnell: Heute steht eher gemütliches Dahingleiten als großes Spektakel auf dem Programm. Insgesamt drei der fünf Flüsse begleiteten wir- erst die Donau durch Regensburg, dann die Naab, die sich durch eine wunderschöne Landschaft schlängelte und zum Schluss noch die Vils, die uns nach Amberg führte. Das Wetter verschlechterte sich mit jedem Meter Richtung Amberg und wir saßen dann -wer hätte das gedacht- in einem Eiscafé am Rathaus als dunkle Wolken bedrohlich näher kamen. Also nichts wie ab ins Hotel, das wir erst nicht auf dem Plan hatten. Eigentlich wollten wir mal ganz besonders „Rast im Knast“ in einem alten Gefängnis übernachten, aber dafür waren wir dann doch zu spät dran. Stattdessen landeten wir dann im Hotel Mariandl am Berg – was für eine tolle Entscheidung! Ein modernes gemütliches Zimmer und noch besser- eine Sauna. Das haben wir natürlich gerne genutzt und uns dort ein wenig erholt von den letzten langweiligen Kilometern auf einem alten Bahndamm.
Abends setzte dann der Regen richtig ein. Der Stadtrundgang fiel entsprechend kurz aus – wir konzentrierten uns aufs Wesentliche: Abendessen. Und nach dem Abend in Regensburg wäre es auch bei schönem Wetter schwer gewesen, das zu toppen.
Tour Regensburg-Amberg: 74 km, 267 hm, 4 h Fahrzeit mit kurzer Pause





Tag 4: Regenjacken-Premiere und Endspurt nach Nürnberg
Am letzten Tag hatte der Wetterbericht leider Recht: Regen. Ein perfekter Moment, um unsere Regenjacken von ihrem Dasein als Gepäck-Deko zu befreien. Zum Glück blieb es bei Nieselregen, kein „Extremabenteuer“, aber definitiv frische Luft.
Die Strecke entlang der Pegnitz war überraschend abwechslungsreich und brachte mit rund 350 Höhenmetern noch einmal ein bisschen Profil ins Spiel. Unterwegs passierten wir die mitteleuropäische Wasserscheide – hier entscheidet sich, ob ein Regentropfen Richtung Schwarzes Meer oder zur Nordsee fließt. Solche Momente machen demütig. Und ein bisschen philosophisch.
Die Pausen hielten wir kurz und traten dafür umso entschlossener in die Pedale. Kurz vor Nürnberg passierten wir das historische Fabrikgut Hammer und warfen noch einen Blick auf das ehemalige Reichsparteitagsgelände – ein stiller, beeindruckender Ort. Da wir unsere Räder mit dem gesamten Gepäck nicht sicher abstellen konnten, haben wir das nur von außen angeschaut…
Die letzten Kilometer zogen sich, wie es sich für einen letzten Tag gehört. Und dann tauchte es endlich auf: unser Auto. Unversehrt. Ohne Strafzettel. Ein kleines Wunder – und ein perfekter Abschluss.
Tour Amberg-Wendelstein: 92 km, 476 hm, 4:45 h mit kurzer Pause





Fazit: Würden wir es wieder tun?
Mit dem Rad und minimalem Gepäck unterwegs zu sein, war für uns Neuland. Und es fühlte sich an, als hätte jemand die Reisegeschwindigkeit ein wenig auf „genau richtig“ gestellt.
Der 5-Flüsse-Radweg ist leicht bis moderat, gut ausgeschildert und ideal für vier bis fünf Tage. Ja, manche Kanalabschnitte ziehen sich wie Kaugummi. Aber Orte wie Beilngries, das Altmühltal, Kelheim und Regensburg entschädigen mit Charme, Geschichte und hervorragender Küche. Und seien wir ehrlich: Spaghettieis, Braten und Schweinshaxe schmecken nach einem Radtag einfach besser als zu Hause auf dem Sofa.
Wenn du eine entspannte Mehrtagestour suchst, die gut planbar, E-Bike-freundlich und landschaftlich abwechslungsreich ist, dann ist der 5-Flüsse-Radweg eine hervorragende Wahl. Unsere Satteltaschen stehen jedenfalls schon wieder verdächtig griffbereit. Hast Du noch Tourentipps für uns?
